Gang-Betten im Krankenhaus

zuletzt aktualisiert

Wenn Oma auf dem Flur schlafen muss …

Foto: Shashank Kumawat, Pexels.com

Wenn man als Arzt zu Grippe-Zeiten in einem größeren städtischen Krankenhaus im Nachtdienst arbeitet, kommt es immer wieder vor, dass man Patienten in sogenannten Gang-Betten unterbringen muss. Das bedeutet, dass sie kein Zimmer bekommen. Ihr Bett wird vielmehr in einer Ecke des Stations-Flures aufgestellt. Zusätzlich errichten die Pflegekräfte einen Sichtschutz, um ein Mindestmaß an Privatsphäre zu gewährleisten.

Angehörige stellen dann verständlicherweise immer wieder die Frage: Warum schläft unsere Oma auf dem Flur? Warum hat sie kein Zimmer und nur eines dieser Gang-Betten?

Zugegeben, nach ein paar Jahren hat man als Arzt oder Pflegekraft Routine darin, die Ursachen möglichst schnell darzulegen. Man erläutert, dass aktuell keine anderen Zimmer frei sind. Aber schön ist diese Situation für niemanden.

Warum sind Gang-Betten denn notwendig?

Isolations-Zimmer

 

Foto: pexels.com

Es gibt Zeiten, in denen mehr Patienten als sonst an sehr ansteckenden Krankheiten leiden. Hierzu zählt zum Beispiel auch die saisonale Grippe. In diesem Fall müssen die ansteckenden Patienten alleine in einem Zimmer schlafen. Ansonsten können sie vermehrt andere Patienten anstecken.

Die meisten Krankenhäuser besitzen allerdings nur sehr wenige Einzelzimmer. Daher müssen oft mehrere Betten „gesperrt“ werden, wenn ein ansteckender Patient in einem Zimmer isoliert ist. Deswegen fehlen den Krankenhäusern in diesen Zeiten freie Betten, um andere Patienten unterzubringen.

In so einem Fall kann es sein, dass ein Arzt in der Notaufnahme entscheidet, dass ein neuer Patient im Krankenhaus behandelt werden muss, aber kein Bett auf Station frei ist. Bestimmte Krankenhäuser vergeben dann die sogenannten Gang-Betten als Notlösung.

Aber warum hat der Rettungsdienst einen dann nicht gleich in ein anderes Krankenhaus gebracht?

gesperrte Krankenhäuser

Wenn ein Krankenhaus keine freien Betten mehr hat, kann es sich bei der Rettungsleitstelle „abmelden“ bzw. „sperren“ lassen.

Die Rettungsleitstelle koordiniert, wohin der Rettungsdienst kranke Patienten bringen soll. Daraufhin werden die Patienten also gezielt in andere Krankenhäuser gebracht.

In Zeiten mit sehr vielen Patienten (z.B. im Winter oder zu Grippe-Zeiten) kann es aber sein, dass in einem großen Umkreis alle Krankenhäuser abgemeldet sind. Dann entsteht für den Rettungsdienst ein Problem.

Zwangsbelegung

Da ein Patient vom Rettungsdienst nicht (z.B.) 100 Km weit weg gefahren werden kann, sind in jedem Umkreis Krankenhäuser bestimmt worden, die dann als erstes „zwangsbelegt“ werden sollen. Meist sind dies große städtische Krankenhäuser. Das bedeutet, dass diese Krankenhäuser die medizinische Versorgung der Bevölkerung im Umkreis sicherstellen müssen. Sie greifen in solchen Fällen daher auf sogenannte Gang-Betten zurück. Sie erhöhen somit als Notlösung kurzfristig ihre Bettenzahl.

Sobald ein Patient nach Hause gehen kann, wird ein Zimmer frei und ein Patient vom Gang kann dort einziehen.

Mehr Krankenhäuser bauen?

Wäre es dann nicht sinnvoll, neue Krankenhäuser zu bauen? Oder neue Stationen mit mehr Betten zu errichten?

Das Gegenteil wird aktuell versucht. Auf Grund von Sparmaßnahmen im Gesundheits-System sollen die Kosten begrenzt werden. Hierzu zählt es, dass im gesamten Bundesgebiet die Bettenzahl der Krankenhäuser verringert werden soll. Laut statistischem Bundesamt hat die Anzahl der Patienten-Betten zwischen 2010 bis 2015 um 10 % abgenommen. Deutschland hätte im europäischen Vergleich weiterhin eine sehr gute Abdeckung mit Patientenbetten.

Gesundheitspolitik

Dennoch gibt es unter Krankenkassen, Ärzten, Krankenhausverwaltung und Pflege-Kräften weiterhin intensive Diskussionen. Es wird zum Beispiel diskutiert, ob die Vergütung der Krankenhäuser nicht falsche Anreize  in der Patientenbehandlung setzt bzw. in der Patientenauswahl. Unter Umständen könnten solche Faktoren eine Betten-Not mit beeinflussen.

Gang-Betten auf Privatstationen?

Sollte es zu Gang-Betten in einem Krankenhaus kommen, so werden laut Klinik-Betreibern keine Zimmer für Privat-Patienten zurückgehalten.

Arbeitsbelastung für die Pflegekräfte

Solche Situationen mit Gang-Betten sind nicht nur für die Patienten unangenehm. Auch für die Pflege-Kräfte sind es enorme Arbeitsbelastungen. In den meisten Fällen werden in solchen Zeiten keine zusätzlichen Pflegekräfte hinzugezogen. Es kommt eher zu vermehrten krankheitsbedingten Unterbesetzungen auf Grund von Ansteckungen.

Eure Erfahrungen

Seid ihr schon einmal in einem Krankenhaus gewesen und es war kein Bett frei? Wie war eure Erfahrung mit dieser Situation. Hinterlasst eure Meinungen in den Kommentaren unter diesem Artikel.

das Team von deinediagnose.de

2 thoughts on “Gang-Betten im Krankenhaus

  1. Wird denn ein Patient der auf dem Gang liegt, genauso gut versorgt wie ein Patient in einem Zimmer? Meine Oma war mal in einem solchen Gangbett und hat sich total beklagt, dass sie kaum jemand von den Schwestern oder Ärzten gesehen hat. Bräuchte man nicht mehr Personal, um z.B bei meiner Oma den geplatzten Darm früher zu erkennen? Sie musste dann plötzlich Notoperiert…wir waren geschockt, dass niemand es früher erkennen konnte!!!

    1. Hallo Cedar, die Patienten werden auf den Gängen genauso gut versorgt wie die anderen Patienten auch. Allerdings ist es natürlich so, dass es zu gewissen Zeiten deshalb Gangbetten gibt, weil das gesamte Krankenhaus sehr voll ist. Daher haben Ärzte und Pflegekräfte an solchen Tagen insgesamt sehr viel zu tun und evtl. weniger Zeit für jeden einzelnen Patienten als zu Zeiten wo weniger los ist. Aber einem Patienten im Gang wird mindestens genauso viel Aufmerksamkeit zuteil wie einem Patienten der im Zimmer liegt. Generell gebe ich Dir natürlich recht, dass mehr Personal in den Krankenhäusern wünschenswert wäre. Warum das aber häufig an der Finanzierung von Krankenhäusern und der politischen Entwicklung abhängt erklären wir zB. auch in unserem Buch „Erfolgreich Patient sein“. Ich hoffe deiner Oma geht es bereits wieder besser und Ihr habt den Schock überstanden! Bauch-Erkrankungen sind manchmal schwer zu diagnostizieren. Gerade ein sogenannter Darm-Verschluss („Ileus“, dazu gibt es auch ein Video auf unserer Seite) kann sich manchmal auch sehr schnell entwickeln oder schlimmer werden. Daher bedeutet es nicht, dass jemand einen Fehler gemacht hat oder etwas übersehen hat, wenn deine Oma dann schnell operiert werden musste. Ich hoffe ich konnte Dir weiterhelfen! Viele Grüße und alles Gute! Felix von deinediagnose.de

Schreibe einen Kommentar