Sind Online-Arzt-Sprechstunden erlaubt?

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Video-Sprechstunde in Deutschland?

In einigen europäischen Ländern ist die online-Sprechstunde bei einem Arzt bereits seit einigen Jahren Alltag. Darf ein Arzt in Deutschland seine Patienten ebenfalls online beraten?

photo bei Viktor Hanacek, picjumbo_com

Ja, ABER …

In Deutschland arbeitende Ärzte müssen sich an die sogenannte (Muster-) Berufsordnung für Ärzte halten. Die sogenannte Bundesärztekammer formuliert diese. In Paragraph 7, Abs. 4 ist sinngemäß eine Einschränkung für Internet-Behandlungen festgeschrieben. Dort steht, dass Ärzte eine Behandlung und auch Beratung nur unter einer Bedingung durchführen dürfen. Die Behandlung und Beratung darf nicht ausschließlich über „Print- und Kommunikationsmedien“ durchgeführt werden. Das bedeutet, dass ein persönlicher Kontakt mit dem Patienten vorher schon einmal stattgefunden haben muss.

Ausländische Anbieter

Diese Regelung gilt wie gesagt für in Deutschland tätige Ärzte. Es gibt bereits Unternehmen, die mit Ärzten aus der Schweiz oder England Online-Beratungen für Patienten in Deutschland durchführen. Allerdings übernimmt hierfür die gesetzliche Krankenversicherung der Patienten aus Deutschland nicht die entstehenden Kosten. Diese müssen von den Patienten selber (oder in bestimmten Fällen von einer privaten Krankenversicherung) getragen werden.

Behandlung durch den eigenen Arzt

Eine weitere Möglichkeit ist die Behandlung durch einen Arzt, der euch zuvor bereits persönlich behandelt und untersucht hat. In diesem Fall ist ja die Behandlung und Beratung nicht ausschließlich über das Internet erfolgt. Allerdings dürfen aktuell auch dann nicht alle Erkrankungen online behandelt werden. (bzw. andere Behandlungen werden von den Kassen nicht bezahlt). Nach Vorgabe des Bewertungsausschusses dürfen vorerst nur folgende Erkrankungen online beurteilt und abgerechnet werden: Wunden nach einer OP, akute oder dauerhafte (chronische) Wunden, Verlaufskontrollen von Hauterkrankungen, Verlaufskontrollen bei Störungen des Bewegungsapparats, Verlaufskontrollen der Stimme und der Sprache, Kontrollen nach Narkosen.

Es geht also hauptsächlich um Verlaufskontrollen. Nicht um die Erst-Beratung oder Behandlung bei einer neuen Erkrankung.

Bezahlung der Videosprechstunde beim Vertragsarzt

Treffen die oben genannten Voraussetzungen aber zu, übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten der Behandlung. Allerdings muss sie ein kassenärztlich tätiger Arzt durchführen (kein reiner Privat-Arzt). Die Höhe der ärztlichen Honorare legen die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung einheitlich fest.

Kritik an der Vergütung

Teile der Ärzteschaft  kritisierten daraufhin allerdings, dass die beschlossene (aktuelle) Vergütung dem Aufwand nicht angemessen sei. Es werde so kein Anreiz geschaffen, um die notwendigen Investitionen in die Technik zu rechtfertigen. Somit sehen einige Ärzte in der Frage der Vergütung ein Hindernis für den Ausbau der Video-Beratungen. Eine allgemeine Bereitschaft zur Videosprechstunde (z.B. bei Hautärzten) sei aber vorhanden.

Modell-Projekte

In Baden-Württemberg und Schleswig Holstein wurden 2 Modell-Projekte zugelassen. Für sie wurden die oben genannten Regelungen der Berufsordnung gelockert. Sie dürfen daher Patienten beraten und behandeln, auch ohne dass vorher ein persönlicher Kontakt bestanden hat. Viele Medien (wie z.B. DER SPIEGEL) gehen davon aus, dass es im Frühjahr 2018 zu einer generellen Lockerung der Einschränkungen durch die Bundesärztekammer kommen wird. Inwiefern dann flächendeckend Video-Sprechstunden angeboten werden, bleibt abzuwarten.

IT-Firmen aus den USA

Teilnehmer des Modell-Projekts aus Baden-Württemberg gehen davon aus, dass Firmen aus den USA dann auch in Deutschland in diesem Bereich aktiv werden. Allerdings sei das deutsche Gesundheitssystem in seinem Aufbau wesentlich komplizierter als das der USA.

Video-Sprechstunde für wen?

Welche Patientengruppen wünschen sich eine Video-Sprechstunde? Wer würde sie wahrnehmen? Nur junge Patienten oder auch Ältere mit vielen verschiedenen Erkrankungen?

Ärztevertreter betonen, dass es nicht das Ziel sei, den Arztbesuch überflüssig zu machen. Es gehe viel mehr darum, die persönliche Sprechstunde zu ergänzen. Insbesondere auf dem Land solle die Technologie dazu beitragen, die medizinische Versorgung sicher zu stellen.

Eure Meinung?

Würdet Ihr eine reine online-Sprechstunde wahrnehmen, auch wenn Ihr den zuständigen Arzt vorher noch nie gesehen habt? Was sind die Gründe dafür? Zeitersparnis? Wartezeit? Schamgefühl bei unangenehmen Beschwerden?

Oder würdet Ihr auf gar keinen Fall eine Video-Beratung in Anspruch nehmen?

Hinterlasst dazu einen Kommentar unter diesem Artikel und diskutiert mit!

 

Felix von deinediagnose.de

2 thoughts on “Sind Online-Arzt-Sprechstunden erlaubt?

    1. Hallo Franz,
      ja, es gab eine Änderung. Nach Beschluss des Deutschen Ärztetages im Mai diesen Jahres ist es Ärzten unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, „im Einzelfall“ eine Behandlung rein über digitale Medien durchzuführen. Inwiefern dies mittelfristig zu einer breiten und flächendeckenden Einführung von Online-Sprechstunden führen könnte bleibt abzuwarten. Sicherlich lässt die Formulierung des Ärztetages Spielraum, wie der „Einzelfall“ zu definieren ist. Ungeklärt bleibt, ob „neue“ Unternehmen ein Angebot für die Patienten zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen aufbauen dürfen. Da hat sicherlich auf die Kassenärztliche Vereinigung noch etwas mitzureden … Es bleibt spannend.

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